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Urlaub in der Probezeit: Hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Urlaub während der Probezeit?

Ein neuer Arbeitsplatz bringt viele neue Herausforderungen mit sich. Meistens beginnt das neue Arbeitsverhältnis mit einer Probezeit. Ärgerlich nur, wenn ein Urlaub geplant wird, dessen Realisierung genau in die Probezeit fällt. Vielfach werden solche Pläne direkt verworfen, weil angenommen wird, dass während der Probezeit eine Urlaubssperre besteht. Doch stimmt dies und darf der Arbeitgeber einfach so eine Urlaubssperre für die Probezeit verhängen?

Grundsätzlich gilt: Ein generelles Urlaubsverbot in der Probezeit ist unzulässig. Arbeitnehmer haben auch während der Probezeit, die meistens die ersten sechs Monate der Arbeitszeit umfasst, einen Anspruch auf Urlaub.

Allerdings hat der Arbeitgeber einen Ermessensspielraum und darf nach billigem Ermessen entscheiden. Der Arbeitgeber hat den Urlaub zu gewähren und muss dabei nicht zwingend die Wünsche des Arbeitnehmers berücksichtigen. Nach billigem Ermessen entscheidet der Arbeitgeber zum Beispiel, wenn er Urlaubswünschen anderer Arbeitnehmer den Vorzug gibt oder wenn betriebliche Gründe vorliegen.

Es sollte sich immer der Zweck der Probezeit vergegenwärtigt werden. Die Probezeit dient beiden Seiten zur Erprobung des neuen Arbeitsverhältnisses. Der Arbeitgeber hat aber keine Möglichkeit, die Geeignetheit des Arbeitnehmers zu testen, wenn dieser im Urlaub ist. Die Zeit zur Beurteilung verkürzt sich. Im Extremfall kann es dann sogar erforderlich werden, dass die Probezeit ausnahmsweise verlängert wird. Aus diesen Gründen besteht zwar grundsätzlich ein Anspruch auf Urlaub während der Probezeit, ein Anspruch auf Urlaubsgewährung besteht dagegen nicht.

In jedem Fall gilt: Buchen Sie nicht eigenmächtig den Urlaub und verweisen Sie dann darauf, dass der Urlaub gebucht ist. Am Ende könnten Sie auf den Kosten sitzen bleiben. Ein klärendes Gespräch mit dem Arbeitgeber ist meist bereits zielführend.

Ricardo Arentz
Rechtsanwalt