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Sportwetten: Kein Schadensersatz für Fehlentscheidungen des Schiedsrichters

Jeder Fan kennt die Situation: Der Verein erzielt ein Tor und mitten im Jubel entscheidet der Schiedsrichter, dass das Tor nicht zählt. Für den Fan eine herbe Enttäuschung. Noch größer wiegt so eine Enttäuschung allerdings, wenn man auch noch auf das Spiel eine Wette platziert hat, die sich, schlussendlich auch wegen der Fehlentscheidung, nicht realisiert.

Die Enttäuschung eines Mannes wiegte dabei so schwer, dass er sich entschied, den entgangenen Gewinn vor dem Amtsgericht (AG) Nürnberg gegen die Deutsche Fußball Liga (DFL) einzuklagen. Er argumentierte dabei wie folgt: Hätte der Schiedsrichter in dem Spiel die korrekte Entscheidung getroffen, hätte er die Wette gewonnen, weswegen er sich über die ca. 200 € Wettgewinn hätte freuen können.

Konkret ging es in dem Fall um das Bundesligaspiel 1. FC Nürnberg gegen Schalke 04 vom 12. April 2019. Durch ein vermeintliches Tor des 1. FC Nürnberg sollte dieser gegen Schalke 04 mit 1:0 kurz vor der Halbzeit in Führung gehen. Der Schiedsrichter entschied allerdings auf Stürmerfoul, weswegen das Tor nicht zählte. In der Folge gingen die Mannschaften torlos in die Halbzeit. Der Kläger hatte allerdings bei einem Wettanbieter getippt, dass in der ersten Halbzeit mindestens ein Tor fällt.

Das AG Nürnberg wies die Klage mit Urteil vom 19.09.2019 (Az.: 22 C 2823/19) gleich aus mehreren Gründen ab: Zunächst sah es bereits keine Anspruchsgrundlage, auf welcher sich der Schadensersatz stützen lassen könnte. Der Kläger habe selbst keinen Vertrag mit der DFL geschlossen, sondern sich lediglich an einem Wettspiel eines Sponsoringpartners der DFL beteiligt. Ansprüche die sich auf ein Vertragsverhältnis stützen könnten, schieden somit aus.

Auch ein sog. deliktischer Anspruch wegen unerlaubter Handlung wurde vom AG Nürnberg verneint. Dieser könnte sich allenfalls dann ergeben, wenn ein Schutzgesetz verletzt worden wäre. Das Gericht sah aber keine Anhaltspunkte für bspw. einen Betrug. Der Schiedsrichter habe keine vorsätzliche, sondern höchstens eine straflose Fehlentscheidung getroffen.

Die Handlung des Schiedsrichters kann auch nicht der DFL zugerechnet werden. Angelehnt an das Berufsbild des „echten“ Richters muss der Schiedsrichter in seinen Entscheidungen unabhängig sein.

Zuletzt gehören Fehlentscheidungen des Schiedsrichters einfach auch zum Wettrisiko, weswegen jeder Wettteilnehmer für seine Entscheidung selbst verantwortlich bleibt. Schließlich macht das Risiko gerade erst den Reiz einer Wette aus.

Ricardo Arentz
Rechtsanwalt