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Reiserecht aktuell: Airline haftet für Kaffee-Unfall

Wer haftet eigentlich für Schäden, die einem Passagier durch die Bedienung während des Fluges entstehen? Mit dieser Frage hat sich vor wenigen Tagen der Europäische Gerichtshof (EuGH) auseinandergesetzt.

Was war passiert?

Ein sechsjähriges Mädchen flog 2015 von Mallorca nach Wien. Gut eine Stunde nach dem Start der Maschine servierte eine Flugbegleiterin Getränke. Als die Flugbegleiterin bei dem Vater des Mädchens angelangte, war die Sechsjährige über die Armlehne hinweg an ihren Vater gelehnt.
Der Vater nahm von der Flugbegleiterin einen deckellosen Becher mit frisch gebrühtem Kaffee entgegen und stellte diesen dann auf den vor ihm heruntergelassenen Klapptisch ab. Als er gerade nach Milch fragte, geriet der Becher ins Rutschen und der Kaffee ergoss sich über die Brust seiner Tochter. Das Kind erlitt Verbrennungen zweiten Grades auf etwa zwei bis vier Prozent der Körperoberfläche. Die Verbrennungen waren mittelschwer, sodass Narben zurückbleiben können.

Maßgeblich für solche Vorfälle ist das sog. Montrealer Abkommen, in dem die Haftung von Fluglinien bei Unfällen geregelt ist.

Die Airline berief sich auf das Abkommen und vertrat den Standpunkt, dass es sich bei dem Vorfall schon nicht um einen „Unfall“ im Sinne des Abkommens handele, weswegen ein Anspruch ausscheiden müsse. Der Begriff des Unfalls erfordere, dass sich ein sog. „flugspezifisches Risiko“ realisiere, woran es bei dem Vorfall gefehlt habe. Es konnte tatsächlich nicht festgestellt werden, ob der Kaffeebecher etwa wegen eines Defekts des ausklappbaren Abstellbretts oder bspw. durch ein Vibrieren des Flugzeugs kippte.

Mit Urteil vom 19.12.2019 (Az.: C-532/18) entschieden die Richter, dass Flugreisende bei Verbrühungen durch im Flugzeug umgekippten heißen Kaffee einen Anspruch auf Entschädigung haben. Airlines haften, wenn Passagiere einen Schaden nicht selbst verursacht haben. Dabei sei es nicht erforderlich, dass eingetretene Unfälle mit einem flugspezifischen Risiko zusammenhängen.

Der EuGH folgte somit nicht den Ausführungen der Airline. Der Begriff des Unfalls, so die Richter, umfasse jeden an Bord eines Flugzeugs vorfallenden Sachverhalt, in dem ein bei der Fluggastbetreuung eingesetzter Gegenstand eine körperliche Verletzung eines Reisenden verursache.

Ricardo Arentz
Rechtsanwalt